Transdisziplinarität

Alles hängt mit allem zusammen. Was genau ist damit gemeint? Worauf bezieht sich dieses alles? Ist es möglich die Gesamtheit des menschlichen Wissens als Ganzes zu betrachten ohne es vorher in eine Vielzahl disziplinärer Gebiete und Teilgebiete aufzuspalten? Wie hoch ist die Komplexität, mit der man sich auseinandersetzen muss, wenn man jegliche disziplinäre Grenzziehung ablehnt? Wie geht man um mit einer Komplexität, für die es bisher kaum Hilfsmittel gibt, in einer Kultur der Komplexitätsvermeidung, Komplexitätsreduktion und Komplexitätsleugnung? Die Disziplinarisierung in der Wissenschaft ist so wie alle Spezialisierungen in Gesellschaften eine Form der Komplexitätsreduktion. In interdisziplinären bzw. fächerübergreifenden Forschungsprojekten findet eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Forschenden aus verschiedenen Fachgebieten bzw. Einzelwissenschaften statt. Dabei erhöhen die Grenzziehungen die Handlungssicherheit und erleichtern somit die Zusammenarbeit. Für die erfolgreiche Planung und Organisation dieser Zusammenarbeit ist jedoch ein transdisziplinärer Blick erforderlich, bei dem diese Grenzziehungen aufgehoben sind.

In meiner Facharbeit am Oberstufenkolleg Bielefeld von 1997 gelang es mir anhand systemtheoretischer Betrachtungen von Simulierbarkeiten und unterschiedlichen Formen der Stabilität einen transdisziplinären Blick zu entwickeln. Der Begriff des Systems ermöglichte dabei eine domainübergreifende kohärente Betrachtung, bei welcher sich die Frage nach der Stabilität als universell anwendbares Beurteilungskriterium herausstellte. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten an neuen Einsichten erscheinen mir auch heute 24 Jahre danach als nicht ansatzweise überschaubar.

Viele Philosophen haben nach Kriterien gesucht, die ihrer Welt- und Selbstsicht Stabilität verleihen können, und wurden von Nietzsche dafür heftig kritisiert ("Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit." in Götzen-Dämmerung von 1889). Möglicherweise ist das Kriterium der Stabilität das einzigste, was einer Welt- und Selbstsicht Stabilität geben kann, auch wenn es möglicherweise keine sichere Methodologie für seine Anwendung gibt.

Vortrag von Jürgen Mittelstraß über Transdisziplinarität als Antwort auf die Krisen der Wissenschaften
Insbesondere stimme ich mit seiner Forderung nach einer dominanten Rolle der Philosophie innerhalb der Wissenschaften überein.

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