Es ist kein Zeichen von Stärke, in diesem System gesund zu bleiben.
 

Nachhaltigkeit

Wird es noch gelingen einen globalen ökosozialen Kollaps zu verhindern? In früheren Zeiten wäre eine Erderwärmung um 2 oder 3 Grad kaum dramatisch gewesen. Es hätte Wanderungsbewegungen gegeben und unsere Vorfahren hätten sich neue Lebensräume erschlossen. Heute leben wir aber in einer Welt am Limit mit deutlich schlechterer Toleranz für sich verschiebende Klimazonen und steigende Meeresspiegel. Das Thema selbst fordert und überfordert unsere Komplexitätstoleranz. Aus meiner Sicht gibt es kaum Artikel, die überhaupt nur versuchen dem Problem in seiner Gesamtheit gerecht zu werden.

Mit useren bestehenden Systemen ist eine nachhaltige Wirtschaft nicht möglich. Um die Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit umzubauen, bräuchte man mindestens ein Steuersystem, dass die realen Kosten der Belastung ökosozialer Resourcen einpreist. Mit einem Realpreis-Steuersystem sollte zwar eine Abkopplung des Wirtschaftswachstum von der Belastung ökosozialer Resourcen zumindest teilweise möglich sein, aber ein Wechsel zu einem solchen System würde mindestens eine vorübergehende Halbierung der Wirtschaftsleistung zur Folge haben, da viele bestehende Geschäftsmodelle nicht mehr wirtschaftlich fortführbar wären. Aber nur eine Reform des Steuersystem würde nicht genügen, da dieses enger mit den anderen Systemen verbunden ist, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Zugespitzt könnte man sagen: Die Menschheit ist gerade dabei sich mit ihren antiquierten autoritären Systemen in eine ökosoziale Katastrophe zu mobben. Daraus folgt aus meiner Sicht, dass eine zukunftsfähige Gesellschaft mit einer nachhaltigen Wirtschaft gleichzeitig eine durchgängig gewaltpräventive Gesellschaft sein muss, und damit eine die endlich anfangen muss, systematisch extrinsische Motivation durch intrinsische zu ersetzen. Die Gewalt gegen die Natur und die Umwelt hat Gründe. Die Welt entwickelt sich aktuell gerade in die Richtung von (Öko)diktaturen mit absurd maximierten extrinsischen Motivationen auf allen Ebenen. Mit meinem 12-Punkte-Plan möchte ich Vorgeschläge machen diese Entwicklung zu verhindern. Dafür ist es wichtig zu verstehen, dass es enge Zusammenhänge gibt zwischen extrinsischer Motivation und gewalttätiger Abwertung und Kontrolle, zwischen staatlicher Gewaltausübung und privater und zwischen großen Wohlstandsungleichgewichten und maximierter extrinsischer Motivation und Kontrolle. Wir müssen die Anreizsysteme verbessern, um die Menschen zu besseren Entscheidungen zu motivieren, anstelle immer mehr Gesetze, Verordnungen und Kontrollen zu erlassen. In der Konsequenz wende ich mich sowohl gegen rechtskonservative law and order Politik als auch gegen linken Staatspaternalismus, für konsequent ökologisch und sozial ausgerichtete Anreizsysteme verbunden mit einer möglichst gerechten Umverteilung.

12-Punkte-Plan für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Psychiatrierevolution:
1. Anerkennung der Diagnose "kummulative traumatische Belastungsstörung" (Mobbingsyndrom)
1.1. Ächtung von Gaslighting in der Therapie
2. Anerkennung der Diagnosen "Psychopathie" und "Soziopathie"
fundamentale Verwaltungs- und Rechtsreform:
3. Strafbarkeit von Mobbing
3.1. Einführung eines allgemeinen Anspruchs auf niederschwelligen persönlichen Beistand
3.1.1. Verpflichtende Instanz für Konfliktschlichtungen in allen Organisationen
3.1.1.1. sie muss nicht innerhalb der Organisationen liegen
3.1.1.2. bei Bedarf, enge Kooperation mit der Polizei
4. erweitertes Sklavereiverbot (Verbot des Handels mit personenbezogenen Daten)
4.1. Wiederabschaffung des generellen Datenschutzes
5. erweitertes Kartellrecht (Ausweitung auf Datenmärkte)
6. Digitalisierung und Teilprivatisierung der Verwaltung (beraterfrei)
6.1. Firmen oder Stiftungen müssen gemeinnützig sein
6.2. Abbau des bestehenden preußisch-autoritären Verwaltungsrechts
6.2.1. wenn nötig, Einrichtung von runden Tischen als Übergangslösung
6.3. Abschaffung des Beamtenstatus
7. Schaffung einer politisch unabhängigen Behörde zur Qualitätssicherung in allen staatlichen Bereichen
7.1. Angestelltenverhältnisse mit lebenslangen Transparenzpflichten
7.1.1. Ausbildung nur über den 2. Bildungsweg nach mindestens fünfjähriger Berufserfahrung
7.1.1.1. Auswahl durch Vorschlags- statt Bewerbungssystem
7.1.2. mindestens fünfjähriges Berufsverbot bei Wechsel in den kontrollierten Bereich
fundamentale Steuerreform mit Reform des Finanzsystems:
8. Einführung von produktgruppenbezogenen Verbrauchsteuern
8.1. Schaffung einer politisch unabhängigen Behörde zu Festsetzung nach ökosozialen Kriterien
8.1.1. Befreiung oder sogar negative Steuern für ökosozial positive Produkte (z.B. Cradle to Cradle)
8.1.2. erhöhte Steuern auf Werbung wären weitgehend äquivalent zu einer Digitalsteuer
8.2. Abschaffung der Mehrwertsteuer
9. Einführung einer Transaktionssteuer
9.1. Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer
10. Abbau der Staatsschulden mittels Lastenausgleichsgesetz (vergleichbar Zwangshypothek)
10.1. Abschaffung der Vermögenssteuer
11. Einführung einer Bailout-Steuer zur schrittweisen Einführung von Vollgeld
fundamentale Welthandelsreform mit Reform des Sicherheitssystems:
12. Schaffung eines ökosozial stufenweise integrierten Handelsraumes auf der Basis des EU-Binnenmarktes
12.1. stufenweise erweiterte Konversionsfonds
12.1.1. Kopplung an Auflagen ans Steuer-, Verwaltungs- und Rechtssystem
12.2. stufenweise erweiterte Zölle
12.2.1. Kopplung an ökosoziale Bilanzen (vergleichbar Klimaklub)
12.3. Pflicht zu stufenweisen weitreichenden Wirtschaftsblockaden im Beistandsfall
12.3.1. stufenweise Desintegration des Welthandels zwischen Innen und Außen
12.4. stufenweise Niederlassungsfreizügigkeit
12.5. Beibehaltung weitgehender kultureller Eigenständigkeit

(fundamentale Hochschulreform)
13. weisere Strukturierung der Fachbereiche
13.1. dominante Rolle der Philosophie bei der Organisation der Zusammenarbeit der Wissenschaften
13.2. Unterordnung der Wirtschaftswissenschaften unter die Soziologie
13.3. Unterordnung der Rechtswissenschaften unter die Soziologie

Bei diesem 12-Punkte-Plan handelt es sich um Maximalforderungen. Die einzelnen Punkte auch in abgeschwächter Form sollten auch unabhängig voneinander wirksam sein. Sämtliche Reformen sollten somit im Sinne der Stückwerk-Technik von Karl Popper schrittweise kontrolliert durchführbar sein. Die Gesamtkomplexität der Forderungen ist zwar geringer als die vergleichbarer Konzepte, jedoch die basale Komplexität liegt weit oberhalb aller mir bekannten Überlegungen. Die Bereitschaft eine höhere basale Komplexität in Kauf zu nehmen hat in den letzten Jahrzehnten zwar zugenommen. Prognostiziert man diese Entwicklung linear fort ist das Ganze aber eher ein Programm für's 22. Jahrhundert als für's 21.. Große Veränderungen brauchen immer einen Bewusstseinswandel, um dauerhaft und erfolgreich sein zu können. Insbesondere erfordert ein gleichzeitiges Vorgehen gegen autoritäre Strukturen auf der einen Seite und Mobbing auf der anderen ein erheblich höheres Niveau an Mündigkeit. Man könnte noch über die Reform weiterer Systeme nachdenken, für eine zukunftsfähige Gesellschaft scheint es mir erst einmal Erforderlich die selbstzerstörerische Destruktivität in den Griff zu bekommen.

Wenn man jetzt die Diskussionen im und über den Club of Rom betrachtet, dann kann der 12-Punkte-Plan nur die Basis für zukünftige Lösungen sein. Viele relevanten Fragen sind noch nicht beantwortet. Die drei großen Problembereiche sind Klimaschutz, Artenschutz und Seuchenschutz (Infektionsschutz, Delinquenzprävention, Krisenprävention). Die wichtigsten Stellgrößen sind Bevölkerungswachstum, Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und Wohlstandsverteilung (Vermögensverteilung, Einkommensverteilung). Die Wohlstandsverteilung fehlt in den Simulationen der World3-Modelle des Club of Rom vollständig. Artenschutz und Seuchenschutz spielen ebenfalls keine Rolle. Vielleicht hätten mehr Sozialwissenschaftler an den Ausarbeitungen beteiligt werden sollen.

Die Diagnose Mobbingsyndrom ist von allen psychiatrischen Diagnosen wahrscheinlich die unbequemste für die Psychiatrie selbst. Dieses ist jedoch kein valider Grund die Diagnosestellung zu verweigern. Ebenso wäre die Strafbarkeit von Mobbing extrem unbequem für das aktuelle autoritäre Strafrecht. Ähnlich wie bei der Reform des Sexualstrafrechts 2016 würde die Notwendigkeit für tiefgreifendere Änderungen in Richtung ausgleichender Konfliktschlichtungen sichtbar werden. Die Beweisbarkeit von Mobbing ist tendenziell sogar noch schlechter, und Mobbing ist auch immer ein Indiz für gravierende Persönlichkeitsdefizite bei Tätern und Opfern, da Mobber Opfer bevorzugen, die sich nicht wehren. Die langfristigen Beeinträchtigungen und Schädigungen Betroffener stehen denen anerkannter Straftaten jedoch in nichts nach. Im Kern läuft es wohl auf Instanzen für Konfliktschlichtungen hinaus, die über bestehende Vereine hinaus neben Betriebsräten und Gewerkschaften alle gesellschaftlichen Bereiche umfassen. Insgesamt geht es somit um eine Justiz, die die Opfer stärker berücksichtigt. Für die Beurteilung der Strafbarkeit gibt es neben Dauer und Intensität des Mobbings noch das Ausmaß der gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Da diese Beeinträchtigungen kummulativ häufig das Ergebnis mehrerer Mobbingfälle sind, ist es schwierig danach ein mögliches Strafmaß festzulegen. Gerade bei Mobbing muss der Schwerpunkt auf der Prävention liegen. Andererseits fehlt ohne die Strafbarkeit die Möglichkeit insbesondere schwere oder lang andauernde Fälle zu sanktionieren. Gerade bei verstecktem Mobbing wird meist sorgfältig darauf geachtet darüber hinaus keine Straftatbestände zu erfüllen. Gerade deshalb wäre bereits eine restriktive Strafbarkeit von Mobbing ein game changer.

Inkompetente Führungspersönlichkeiten haben ebenso wie korrupte die Tendenz ihnen ähnliche Mitarbeiter anzustellen und zu befördern, da diese ihnen weniger gefährlich werden können. Die sich daraus ergebenden Inkompetenzkartelle und Inkompetenzspiralen führen regelmäßig zum Konkurs ganzer Firmen. Da derartige Bereinigungen in sozialistischen Planwirtschaften und innerhalb großer hierarchischer Verwaltungen schwer umsetzbar sind, sind diese tendenziell sehr ineffektiv. (In der DDR galt insbesondere zu ihrem Ende hin in vielen Bereichen die Empfehlung: 'Stelle dich gut mit den Dummen. Morgen könnten sie deine Vorgesetzten sein.') Durch die Digitalisierung und Teilprivatisierung der Verwaltung sollte mittel- bis langfristig der Finanzbedarf für sie erheblich gesenkt werden können. Ebenfalls sollte sich durch zielgerichtete (gegebenenfalls negative) Verbrauchssteuern der bestehende undurchdringliche Dschungel aus Fördertöpfen und Subventionen erheblich vereinfachen lassen. Aber die Schaffung der entsprechenden politisch unabhängigen Behörden würde einen beträchtlichen Verzicht auf Machtoptionen für die bestehende Politik bedeuten, so dass derartige Reformen kaum ohne entsprechenden politischen Druck vorstellbar sind. Natürlich würde die Politik weiterhin die groben Richtlinien gegenüber diesen Behörden festlegen können, doch die Möglichkeit einzelne Wahlgeschenke zu verteilen wäre erheblich eingeschränkt.

 
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