Eigentum, Zins, Geld, Steuern

Theorieversuche auf der Suche nach der richtigen Gesellschaftstheorie

Wenn man die Frage nach der verbreitetsten und wirkmächtigsten Geschichtsphilosophie stellt, landet man unweigerlich beim historischen Materialismus vom Marx. Nicht nur das er eine radikale Reduktion der Komplexität menschlicher Geschichte vollzieht, er behauptet obendrein eine naturgesetzhafte Zwangsläufigkeit, beschrieben in der Form einer eindimensionalen Sequenz von "ökonomischen Gesellschaftsformationen". Auch wenn mit dem Kommunismus der behauptete geschichtliche Endzustand der am heftigsten umstrittene Punkt war und ist, ist sein eigentlicher Clou die Erfindung der Sklavenhaltergesellschaft. Sie bildet als roheste und primitivste Form der Ausbeutung nicht nur den Prototypen des die Geschichte bestimmenden Klassengegensatzes, sondern bezeugt obendrein die moralische Verurteilungswürdigkeit jeder Form sozialer Ungleichheit insbesondere des Privateigentums. Raub, Gier und Missgunst werden somit zu den Motoren des sozialen Wandels erklärt. Gewaltsame Unterdrückungsverhältnisse die geradezu danach schreien gewaltsam verändert zu werden. Wobei diese Verkürzung jetzt nicht ganz fair ist, da Marx versuchte in Anlehnung an Hegel gesellschaftliche Entwicklungen ausgehend von gesellschaftlichen Widersprüchen zu beschreiben. Aber bemerkenswert ist schon, dass obwohl Sklaverei zu Marx Zeiten vor allem in den Kolonien eine entscheidende sozioökonomische Rolle spielte, er strikt seinem sequenziellen Modell folgend, nur antike Gesellschaften als Sklavenhaltergesellschaften bezeichnete. Zu Beginn des Internetzeitalters gab es mehr Menschen in sklavereiähnlichen Abhängigkeitsverhältnissen als jemals zuvor. Dem gegenüber unterscheidet Max Weber in seinem Hauptwerk "Wirtschaft und Gesellschaft" von 1922 durchgängig zwischen modernem und antikem Kapitalismus. Heute scheint mit dem Internet und seinen Plattformökonomien eine weitere grundlegend andere Form des Kapitalismus zu entstehen.

Folgt man Otto Steiger und Gunnar Heinsohn zusammen mit dem Transaktionalismus von Georg Herbert Mead ergibt sich ein vollkommen anderes Bild. Die Individuen in ihren Selbst- und Weltverhältnissen werden einzeln und im Kollektiv als die entscheidenden Motoren sozialen Wandels erkennbar.

Otto Steiger und Gunnar Heinsohn zeigen in ihrem Buch: "Eigentum, Zins und Geld: Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft" von 1996, dass die klassischen und neoklassischen Wirtschaftswissenschaften das Geld bisher vollkommen unzureichend verstanden haben.

Zum Ersten stellen Sie das Verhältnis von Geld und Zins gewissermaßen vom Kopf auf die Füße. Nicht der Zins ist eine Folge des Geldes, sondern der Zins ist primär eine Entschädigung für die Belastung eigenen Eigentums. Diese Belastung kann anschließend als Geld ihrerseits wechselndes Eigentum von Dritten werden. Ein Mietzins als Entschädigung für die Nutzung fremden Eigentums ist zur Not auch ohne Geld erklärbar. Sobald aber Rechte über Eigentum das Eigentum Dritter werden, ist das Geld im Spiel.

Zum Zweiten relativieren sie Marx Theorie der "Ursprünglichen Akkumulation" als nebensächlich bzw. fehlinterpretiert. Nicht Raub war hiernach die entscheidende Bedingung für den Übergang zu kapitalistischen Gesellschaftsformen, sondern die rechtliche Gleichstellung und Absicherung aller Menschen als Eigentümer, Gläubiger und Schuldner. Die brutalen frühkapitalistischen Verhältnisse sind vielmehr eine Folge der Konkurrenz der Nationalstaaten um den Zugriff auf Absatzmärkte und Ressourcen ausgehend von einer auf maximalen Profit ausgerichteten Wirtschaft. Die sich daraus ergebenden Kriege waren oft mehr oder weniger auch Währungskriege.

Zum Dritten machen sie plausibel, dass erst mit der Erfindung von Eigentum und Geld ein unpersönlicher ökonomischer Tausch in die Welt kam, bei dem von den am Tausch beteiligten Personen bei der Bewertung der getauschten Ware vollständig abstrahiert wird.

Geld ist immer ein dreiseitiges Schuldverhältnis, das als Verrechnungseinheit, Tausch- und Akkumulationmittel verwendet werden kann. Die drei Seiten sind der Schuldner, der Gläubiger und der Eigentümer des Anspruchs (Geld). Der Eigentümer des Anspruchs hat ein Recht gegen den Gläubiger auf Einlösung dieses Anspruchs (Eintauschen des Anspruchs gegen Eigentum des Gläubigers). Der Gläubiger muss hierfür als Sicherheit eigenes Eigentum in der Höhe des Anspruchs belasten. Der Gläubiger hat ein Recht gegen den Schuldner auf Begleichung seiner Schuld zuzüglich Zins. Der Schuldner muss hierfür als Sicherheit eigenes Eigentum in der Höhpe des Anspruchs plus Zins verpfänden. Der Zins setzt sich zusammen aus Eigentumsprämie und Risikoprämie. Die Eigentumsprämie ist eine Entschädigung für die Belastung des Eigentums des Gläubigers, welche in der Folge die Verfügungsgewalt des Gläubigers über das belastete Eigentums einschränkt, da er es nicht ein weiteres mal belasten oder verpfänden kann. Die Risikoprämie ist eine Entschädigung für das Risiko, dass der Gläubiger die Schuld nicht zurückzahlt. Geld ist immer Kreditgeld. Bei hartem Geld wird vorhandenes Eigentum des Schuldners verpfändet, bei weichem lediglich zukünftiges Einkommen. Die Bezeichnung Liquiditätsprämie anstelle von Eigentumsprämie geht ein Stück weit an der Sache vorbei, da die Eigenschaft von Geld Liquidität zu erzeugen, sich aus der geschützten rechtliche Verfügungsgewalt über Geld und Eigentum ergibt. Diesen Schutz gewährleistet der Staat, wofür er Steuern eintreiben darf.

Beim Falschgeld wird das Eigentum des Gläubiger bzw. das Eigentum oder Einkommen des Schuldners nicht oder nicht ausreichend belastet bzw. verpfändet. Bei legalem Falschgeld geschieht dieses unter Einhaltung rechtlicher Regeln. Die Grenzziehung zwischen weichem Geld und legalem Falschgeld ist problematisch, da zukünftiges Einkommen nicht sicher ermittelt und von Wunschdenken verfälscht werden kann. Solange Falschgeld nicht als solches enttarnt wird, ist es sehr profitabel. Die Bezeichnung Fiatgeld ist irreführend, da sie so tut, als ob es keinen Unterschied gäbe zwischen richtigem Geld und legalem Falschgeld.

Quasigeld ist Falschgeld bei dem es keine Belastung von Eigentum des Gläubigers gibt. Es gibt sowohl hartes als auch weiches Quasigeld. Quasigeld ist erheblich problematischer als lediglich weiches Geld, da das geschöpfte Geld vom Eigentümer jederzeit (Bank Run) und nicht erst zu einem festgelegtem Zeitpunkt in der Zukunft in Eigentum des Gläubigers eingetauscht werden kann. Beim Quasigeld müsste der Zins genau um die Eigentumsprämie geringer sein, da ja gerade kein Eigentum des Gläubigers belastet wird. Es ist durchaus plausibel, für den Fall einer effektiven Bekämpfung von Quasigeld genau deshalb mit steigenden Kreditzinsen zu rechnen. Historisch betrachtet führte Amadeo Giannini 1909 nach dem Erdbeben in San Francisco das moderne expansive Banking ein, als Quasigeld trotz häufig stattfindender Bank Runs bereits breit akzeptiert war. Solange dieses expansive Banking läuft, hat es auch für Schuldner den potenziellen Vorteil niedrigerer Zinsen, wie der beschleunigte Wiederaufbau San Franciscos inklusive der von Giannini finanzierten Golden Gate Bridge zeigt. Erwähnenswert finde ich noch, dass Giannini fast seine sämtlichen Einkünfte gemeinnützen Zwecken gespendet hat.

Pseudogeld ist Quasigeld bei dem zusätzlich keine Verpfändung von Eigentum oder Einkommen des Schuldners erfolgt. Es ist somit eine vollständige Imitation von richtigem Geld mit den Eigenschaften eines Schneeballsystems. Dennoch kann ein Pseudogeldsystem über längere Zeit stabil sein, wie z.B. die Währungen von ehemaligen Ostblockstaaten. Zumindest für die Initiatoren dieser Schneeballsysteme ist Pseudogeld sehr profitabel.

Geld bei dem lediglich der Gläubiger haftet ist zwar theoretisch vorstellbar aber praktisch irrelevant. Ein Gläubiger, der ernsthaft mit eigenem Eigentum haftet, würde kaum auf Sicherheiten des Schuldners verzichten.

Beim Schuldgeld ist der Gläubiger immer gleichzeitig der Eigentümer des Anspruches. Die Sicherheiten des Gläubigers sind bei ihm irrelevant, da er ja gegenüber sich selbst bürgen müsste. Bei diesem Schuldverhältnis gibt es den Zins insofern, als der Wert der Ansprüche des Gläubigers/Eigentümers höher sein kann als der Gegenwert, den der Schuldner erhalten hat. Schuldgeld kann somit kein Quasigeld sein.

Beim Bargeld ist der Emittent immer gleichzeitig Gläubiger und Schuldner. Es gibt hier keinen Zins, da der Schuldner gegenüber dem Gläubiger in keiner Schuld steht. Nur der Emittent haftet als Gläubiger gegenüber dem Eigentümer mit seinen Sicherheiten. Bargeld kann somit kein weiches Geld sein.

Warengeld ist durch sich selbst gesichert, bei ihm fallen die drei Seiten Schuldner, Gläubiger und Eigentümer in der Person des Besitzers des Warengeldes zusammen. Es gibt keinen Zins wie beim Bargeld und die Sicherheiten des Gläubigers sind irrelevant wie beim Schuldgeld. Warengeld kann somit weder Quasigeld noch weiches Geld sein.

Naturalgeld und Kurantmünzen sind Warengeld.

Scheidemünzen und Papiergeld sind Bargeld.

Anleihen (Inhaberpapier), Schuldscheine, Wechsel, Bonusmeilen, Rabattpunkte und Gutscheine sind Schuldgeld. In der Praxis sind sie mit Ausnahme von Anleihen meist unbesichert.

Kryptogeld ist Pseudogeld.

Buchgeld bzw. Giralgeld ist Kreditgeld. Ist der Schuldner noch Eigentümer des Anspruches sind seine Sicherheiten trotzdem relevant, da sie zusätzlich zum Wert des Anspruches noch die Zinsen abdecken müssen.

Elektronisches Geld ist Buchgeld auf numerisch kryptographischer Basis.

Zentralbankgeld sind Scheidemünzen, Papiergeld und Einlagen (Mindestreserven plus Überschussreserven) der Geschäftsbanken bei der Zentralbank.

Eine Wirtschaft ohne Zins hätte somit nur Bargeld und Warengeld als Verrechnungseinheit, Tausch- und Akkumulationmittel, wie es manchmal in mittelalterlichen feudalen Gesellschaften der Fall war.

Aus dem das Geld bedingenden Zins und Zinseszins ergibt sich ein Wachstumsimperativ für die kapitalistische Wirtschaft. Da jedoch längerfristig und inflationsbereinigt das Wirtschaftswachstum nicht höher sein kann als der Zins, ist es nicht möglich, dass alle Kredite zurückgezahlt werden. Um diese unvermeidbaren Zahlungsausfälle möglichst gleichmäßig stattfinden zu lassen, wurde ein aufwendiges Insolvenzrecht eingeführt. Nach der Möglichkeit Unternehmen mit beschränkter Haftung geregelt zu liquidieren, war die Einführung der Privatinsolvenz ein weiterer bedeutender Meilenstein bei der Zähmung des Kapitalismus. Es fehlt somit "nur" noch die Möglichkeit einer geregelten Staatsinsolvenz. Nur durch eine konsequente Konsolidierung von Schulden bzw. Guthaben kann die übermäßige Entstehung von Spekulationsblasen verhindert werden.

Stark vereinfacht gelten folgende Beziehungen:
gesamtwirtschaftlicher Durchschnittszins* = Geldmengen-/Verschuldungswachstum* + Kreditausfall-/Insolvenzrate
Geldmengen-/Verschuldungswachstum* - Substanz-/Wirtschaftswachstum* = Falschgeldwachstum
gesamtwirtschaftlicher Durchschnittszins* = Substanz-/Wirtschaftswachstum* + Falschgeldwachstum + Kreditausfall-/Insolvenzrate
* inflationsbereinigt

Falschgeldwachstum => übermäßige Entstehung von Spekulationsblasen
niedrige Altgeldsteuerrate => zunehmende sozioökonomische Ungleichheit
niedrige Altgeldsteuerrate + hoch volatile potente Anlagemöglichkeiten => schnell zunehmende sozioökonomische Ungleichheit
Substanzblasen z.B. Immobilienblasen sind die problematischsten Blasen.

Vom Anfang der 80er Jahre bis heute hat sich die globale Geldmenge etwa verzwanzigfacht. Die Wirtschschaftsleistung hat sich etwa vervierfacht. Nimmt man für den Anfang der 80er Jahre konservativ eine Falschgeldquote von 50% an, so müsste sie heute bei etwa 80% liegen. Pseudogelder wie z.B. die 700 Mrd Dollar Kryptogelder im Dezember 2017 sind für diese Berechnung nicht relevant, es sei denn, ein Zusammenbruch passiert, und Banken müssen wieder mit richtigem Geld gerettet werden. Das der Handel mit den nicht gedeckten sogenannten Kryptowährungen nach wie vor nicht verboten ist, wie z.B. das Betreiben anderer Schneeballsysteme, ist ein klares Zeichen, dass die maßgeblichen Akteure nach wie vor nicht verstanden haben, was Geld ist, bzw. wie unser Finanzsystem funktioniert. Nichts desto trotz könnte eine, von einer Zentralbank herausgegebene, Kryptowährung durchaus als elektronisches Bargeld eine Möglichkeit für die Zukunft sein, was jedoch die neue Gefahr eines digitalen bank runs schaffen würde.

Durch eine Vielzahl von Finanzkrisen wurde im Laufe der Zeit die Ausgabe von Bargeld wie z.B. das Prägen von Münzen immer stärker zentralisiert und staatlich kontrolliert. Die dadurch entstehenden Zentralbanken hatten anfangs hauptsächlich die Aufgabe Staatsschulden zu finanzieren. Heute werden sie mit ihren Hauptzielen Preisstabilität, wirtschaftliches Gleichgewicht und finanzielle Stabilität der Komplexität und zentralen Bedeutung des Geldsystems besser gerecht als früher. Sie wurden dazu aber praktisch immer durch Krisen und nicht durch bessere Wirtschaftstheorien getrieben.

Der Staat kann als Gläubiger für die Geldschöpfung zumindest seine laufenden Steuereinnahmen quasi als Einkommen notfalls sogar das gesamte Vermögen der Bürger als Sicherheit verwenden. Geschäftsbanken haben diese Möglichkeit prinzipiell nicht, müssten also bei der Geldschöpfung eigentlich 100% Sicherheiten hinterlegen. Nach Basel III sind ab 2019 aber nur 7% Sicherheiten gefordert. Für eine effektive Bekämpfung von Quasigeld und somit der Eindämmung der real existierenden Falschgeldwirtschaft sehe ich 3 Möglichkeiten:
(1) Mit dem Goldstandard (Golddeckung der Währung) kann zumindest für den Zeitraum, in dem diese aufrecht erhalten werden kann, effektiv eine Währungsinflation bekämpft werden. Die starre Begrenzung der Geldmenge macht allerdings ein erfolgreiches Bekämpfen von Krisen unmöglich.
(2) Bei einer hypotetischen Einführung von Vollgeld bzw. eines Vollreserve-Systems wird die Kompetenz zur Geldschöpfung der Geschäftsbanken zugunsten der Zentralbank entweder eingeschränkt oder ganz abgeschafft. Die Geschäftsbanken würden mehr oder weniger zu Filialen der Zentralbank degradiert werden. Bei einem Systemwechsel müsste eine gigantische Menge z.T. schwer nachvollziehbarer Verbindlichkeiten auf die Zentralbank übertragen werden.
(3) In die gleiche Richtung aber flexibler und weniger drastisch könnte eine Bailoutsteuer gehen. Diese müsste so gestaltet sein, dass die Wettbewerbsvorteile die eine Geschäftsbank durch das Hinterlegen von geringeren Sicherheiten gegenüber seinen Konkurrenten erlangt, weitestgehend ausgeglichen werden. Um eine halbwegs valide Bewertung vornehmen zu können, müsste der Verkauf von verschachtelten Finanzprodukten zum Zwecke der Risikoverschleierung verboten oder zumindest stark eingeschränkt werden. Eine hoheitlich kontrollierte und von wirtschaftlichen Interessen unabhängige Institution zur Bewertung der Risiken von Finanzprodukten ist ohnehin überfällig. Eine schrittweise verschärfte Bailoutsteuer ließe sich nicht nur deutlich einfacher global harmonisieren sondern könnte auch eine Einführung von Vollgeld deutlich erleichtern.

grob vereinfachendes vierdimensionales Phasenmodell:
- Tribalismus (strukturierte vielschichtige Sprache seit 70.000 Jahren) - reputationsbasierte Tausch
   - Neolithisierungen (Sesshaftigkeit seit 12.000 Jahren)
      - Haustiere (Hund 30.000, Schaf/Schwein/Ziege 11.000, Rind 10.000, Katze 9.500, Esel 7.000, Pferd 6.000)
      - Erfindungen (Töpferei 24.000, Töpferscheibe 8.000, Erzverhüttung 7.000, Rad 5.500, Sattel 4.500)
   - seit 7.000 Jahren kurzlebige protofeudale schriftlose Gesellschaften
- Feudalismus (Schrift seit 5.500 Jahren + Metallurgie) - patriarchal-paternalistisches und subsidiäres Versorgungs- und Abgabensystem
   - Absolutismus - zentralisierte und bürokratisierte Machtausübung - Merkantilismus
   - seit 4.500 Jahren kurzlebige protokapitalistische alphabetlose Gesellschaften
- Kapitalismus 1.0 (Alphabet + Stadtstaaten seit 3000 Jahren) - Kreditmärkte + Geldmärkte + Warenmärkte (Sklaven als Ware) + Schuldsklaverei
   - Refeudalisierungen durch Marktmanipulationen und Kapitalakkumulation (Monopole/Geldadel)
   - christliche/islamische Refeudalisierungen - Kredit- und Pfändungsbehinderung und damit Relativierung von Eigentum und somit von hartem Geld
   - vielfältige übergriffige Ausbeutung (Rentenökonomie)
      - Kolonialismus / Sklavismus - basierend auf Repression
- Kapitalismus 2.0 (Buchdruck + Nationalstaaten seit 550 Jahren) - Institutionaliserung und Regulation von Arbeitsmärkten (monotheistisches Sklavereiverbot + Kartellrecht)
   - Refeudalisierungen durch Marktmanipulationen und Kapitalakkumulation (Monopole/Geldadel)
   - marxistische/leninistische/maoistische Refeudalisierungen - Kredit- und Pfändungsbehinderung und damit Relativierung von Eigentum und somit von hartem Geld
   - sozialstaatliche Retribalisierungen (Gewerkschaften, Sozialversicherungen)
   - vielfältige übergriffige Ausbeutung (Rentenökonomie)
      - Neokolonialismus / Protektionismus - basierend auf Korrumpierung (entartetes Spenden- und Stiftungswesen)
- Kapitalismus 3.0 (Internet + Transnationalismus seit 25 Jahren) - Institutionaliserung und Regulation von Spendenmärkten (Transparenzgebote + erweitertes Kartellrecht)
   - Refeudalisierungen durch Marktmanipulationen und Kapitalakkumulation (Monopole/Geldadel)
   - technikbasierte Retribalisierungen (open source, open data, open access, open government)
      - Minimalweltstaat mit Weltwährung, tribalem Finanzausgleich und tribalem BGE (radikaler Föderalismus)

  kooperierend (legitim) vertikal konkurrierend (legitim) horizontal konkurrierend (apersonal) illegitim
Idealtypen sozialen Handelns solidarisches - selbstbezogenes Handeln bevormundendes - unterwerfendes Handeln zweckmäßiges - affektives Handeln übergreifendes - abwehrendes Handeln
Idealtypen der Herrschaft herrschaftsfrei autoritative Herrschaft (gegenseitige asymmetrische Freiheitsberaubung) institutionelle Herrschaft autoritäre Herrschaft (einseitige Freiheitsberaubung)
Idealtypen der Gesellschaft tribale (segmentäre) Schenkgesellschaft autoritative (stratifizierte) Befehlsgesellschaft institutionelle (ökonomische) Eigentumsgesellschaft autoritäre (militaristische) Ausbeutungsgesellschaft
Bindungsprinzip Verwandschaft Unmündigkeit / hierarchische Befehlsketten Recht / Märkte Furcht
Herrschaftsgenese   bottom up bottom up (Rule of law) / top down (Rechtsstaat) top down

Es gibt vier idealtypische Formen bzw. Logiken/Ethiken der Gesellschaft, die tribale, die autoritative, die institutionelle und die autoritäre.

Die tribale (segmentäre) Schenkgesellschaft organisiert sich in Stämmen überschaubarer Größe. Der Tausch von Waren basiert auf der Reputation der Tauschpartner. (Der Begriff Schenkökonomie ist in sich widersprüchlicher Unsinn. Wie ideologisch verblendet muss man sein, um ökonomische Motive hinter einem Geschenk für normal zu halten?) Eine Reziprozität des Tausches ist oft zeitverzögert gegeben. Unmittelbare Gegenleistungen sind Ansehen und Loyalität. Diese Form des Tausches beschränkt sich in der Regel auf überschaubare Personengruppen wie z.B. Stammesgesellschaften, Verwandtschafts- und Freundschaftsnetzwerke. Bei Bedürftigkeit besteht im Prinzip ein unbegrenzter Anspruch gegenüber dem Besitz anderer Gruppenmitglieder. Der Idealtyp der tribalen Gesellschaft ist der einzige gesellschaftliche Idealtyp der gleichzeitig ein Realtyp ist, d.h. ohne andere gesellschaftliche Idealtypen real existieren kann.

Die autoritative (stratifizierte) Befehlsgesellschaft besteht in einer Abgaben- und Dienstpflicht gegenüber übergeordneten Instanzen. Die unterschiedlichen Instanzen sind hierbei hierarchisch angeordnet. Durch diese hierarchische Struktur ist die Kohärenz großer und sehr großer Gruppenverbände möglich. Bei Bedürftigkeit besteht im Prinzip ein unbegrenzter Anspruch gegenüber dem Besitz der jeweils übergeordneten Instanz. Die reale Ausgestaltung autoritativer Gesellschaften setzt mindestens zusätzlich tribale Strukturen voraus, um funktionieren zu können.

Die institutionelle (ökonomische) Eigentumsgesellschaft organisiert sich auf Märkten mittels eines geldbasierten Tausches. Das aus dem Eigentum sich ergebende Geld gewährleistet als Verrechnungseinheit die Reziprozität aller Tauschtransaktionen. Bei Bedürftigkeit bestehen prinzipiell keine Ansprüche gegenüber anderen, da idealtypisch bereits eine volle Reziprozität gewährleistet ist, bzw. der Betreffende im Prinzip die Möglichkeit hat Kredit zu nehmen. Die reale Ausgestaltung institutioneller Gesellschaften setzt mindestens die Integration tribaler und autoritativer Strukturen voraus, um funktionieren zu können.

Die autoritäre (militaristische) Ausbeutungsgesellschaft ergibt sich aus der prinzipiell immer gegebenen Möglichkeit menschlichen Handelns sich nicht an Regeln und Prinzipien zu halten, bzw. andere auszunutzen. Ist bereits eine autoritative oder eine institutionelle Herrschaft vorhanden, ist es oft leicht bestehende Machtstrukturen für übergriffige Handlungen zu nutzen. Aus einer paternalistischen Haltung heraus werden feindseelige Übergriffe gegen andere oft toleriert, manchmal sogar begrüsst.

Die feudale Gesellschaft ist ein Realtyp basierend auf einer Mischung aus autoritativer und autoritärer Herrschaft mit einem Primat autoritativer Herrschaft.

Die kapitalistische Gesellschaft ist ein Realtyp basierend auf einer Mischung aus autoritativer, institutioneller und autoritärer Herrschaft mit einem Primat institutioneller Herrschaft.

Die despotische Gesellschaft ist ein Realtyp mit einem Primat autoritärer Herrschaft.

Eine faschistische Gesellschaft ist eine despotische Gesellschaft bei der die autoritäre Herrschaft zusätzlich einen totalitären Anspruch beinhaltet.

Der Übergang von einer feudalen oder einen kapitalistischen Gesellschaft in eine Despotie kann kontinuierlich stattfinden, wobei eine Grenzziehung schwierig sein kann.

Unter anderem Aufgrund ihrer Abhängigkeit von tribalen und autoritativen Strukturen und ihrer gleichzeitigen Tendenz diese zu zerstörenden, sind Gesellschaften mit einem hohen Anteil institutioneller oder autoritärer Herrschaft sowie deren ökonomischen und militaristischen Implikationen extrem instabil.

Autoritative und autoritäre Herrschaften besitzen im Allgemeinen ein deutlich größeres Machtgefälle als institutionelle Herrschaften.

Gesellschaften mit autoritaristischer Herrschaft sind u.a. abhängig von der moralischen Situation eine variable Mischung aus autoritativer Entwicklungsdiktatur, autoritärer Despotie und Versatzstücken positiven Rechts in einem Spektrum zwischen pluralistischer Demokratie und ideologischem Totalitarismus. Ein korrupt-repressives gesellschaftliches Umfeld und ein erfolgreiches Verfolgen autoritärer "psychopathischer" Karriereentwürfe bedingen sich gegenseitig.

Sozialistische Gesellschaftsutopien basieren auf vielfältigen meist vagen Vorstellungen einer solidarischen Gesellschaft mit vielen Vorteilen von Befehls- und Eigentumsgesellschaften fast ohne deren Nachteile. In der Vergangenheit führte dies immer in eine autoritaristische Herrschaft mit mehr oder weniger stark beschränkten Märkten.
Kommunistische bzw. Anarchistische Gesellschaftsutopien basieren auf der Illusion der Errichtbarkeit einer kollektivistischen bzw. individualistischen herrschaftsfreien Gesellschaft mit allen Vorteilen von Befehls- und Eigentumsgesellschaften ohne deren Nachteile.

Wertrationales bzw. traditionelles Handeln nach Max Weber wird als Handeln verstanden, das sich Werten bzw. Traditionen unterwirft. Sein Konzept der charismatischen Herrschaft oder der traditionalen Herrschaft kann als eine autoritative Herrschaft verstanden werden, bei der die Autorität der Herrscher auf deren Charisma oder auf Tradition beruht. Die Bezeichnung legale Herrschaft ist aus meiner Sicht etwas irreführend, da sie suggeriert, es könnte so etwas wie eine illegale Herrschaft geben, wie es in dem unsinnigen Begriff eines Unrechtsstaates zum Ausdruck kommt. Auch verleitet es zu der falschen Annahme, Recht diene dem Zwecke der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit kann immer nur durch handelnde Subjekte erreicht werden, die dafür z.B. rechtliche oder politische Instrumente einsetzen.

Die Erklärung der Entstehung autoritativer Herrschaft als gegenseitige asymmetrische Freiheitsberaubung ist von Hegels Konzept von Herrschaft und Knechtschaft und von systemischen und personalistischen Konzepten von Autonomie inspiriert.

Autonomie bezeichnet ein von Fremdbestimmung freies auf internen Regulierungen beruhendes Handeln. Weder Regeln oder Prinzipien von Außen noch durch Übernahme verinnerlichte dürfen ungeprüft Geltung erlangen. Da die Fähigkeiten für diese Prüfungen selbst wiederum Regeln und Prinzipien voraussetzt, kann es keine sichere Letztbegründung geben, sondern lediglich eine Suche nach maximaler Widerspruchsfreiheit. Daraus folgt, dass der maximal mögliche Grad an Autonomie durch den Umfang der verinnerlichten Regeln und Prinzipien begrenzt wird. Auch systemisch betrachtet ist Autonomie eine System-Umwelt-Relation, eine autonome Person muss die Regeln und Prinzipien seiner Umwelt in ihrer Totalität verinnerlicht haben, um souverän auf sämtliche Bevormundungen und Übergriffe von Außen reagieren zu können. Jede Selbsttäuschung und jeder Bias beschränkt diese Autonomie. Da eine Person aus transaktionalistischer Sicht genuin sozial ist, darf diese Autonomie nicht als eine Unabhängigkeit von der, insbesondere sozialen, Umwelt missverstanden werden.

Treffen zwei nicht autonome Personen jenseits sozialer Rollen und Bindungen aufeinander, entwickelt sich unausweichlich ein gegenseitiger Kampf um Anerkennung zum Zwecke der Selbstvergewisserung der eigenen Existenz. Da eine gegenseitige Anerkennung der Autonomie des jeweils Anderen nicht möglich ist, kann dieser Kampf an einen Punkt kommen, an dem sich einer dem Anderen unterordnet und unterwirft. Wird diese einseitige Anerkennung angenommen, ist ein neues Herrschaftsverhältnis entstanden. Innerhalb dieses Herrschaftsverhältnisses ist der Herr trotz der Anerkennung, und der daraus resultierenden Selbstvergewisserung der eigenen Existenz, weiterhin genauso nicht autonom wie sein Knecht. Er ist jetzt nicht nur für diesen verantwortlich sondern ebenfalls abhängig von seiner fortwährenden Unterordnung. Zusätzlich hat er nur noch einen, durch den Knecht vermittelten, Zugang zu den Dingen. Der Knecht bleibt in seiner Dingheit gefangen, ist in Bezug auf seine Existenz seiner Subjektivität beraubt. Derselbe Prozess kann auf kollektiver Ebene auch zwischen Gruppen stattfinden. Eine neue autoritative Herrschaft kann also immer nur durch einen Akt der Unterwerfung und nicht durch Bevormundung konstituiert werden, da eine autoritative Anerkennung nicht erzwungen werden kann. Diese unbequeme Tatsache wird gern bei der Kritik von Herrschaftsverhältnissen verschwiegen. Nach Hegel kann es auch nur der Knecht sein, der durch seine Entäußerung und seine Arbeit den Anfang der Weisheit, die eigene Autonomie und damit die Aufhebung des Herrschaftsverhältnisses bewirken kann.

In Hegels Beschreibung dieser Vorgänge spielt das Bewusstsein mit seinen unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Reflexivität eine entscheidende Bedeutung. Geschichtlich lassen sich mit der Erfindung einer strukturierten vielschichtigen Sprache und des Geldes die beiden tiefgreifendsten Entwicklungsschritte markieren. Der Erste lies den Mensch als weltoffen unbestimmtes Wesen aus dem Tierreich heraustreten und der Zweite hatte uns das gebracht, was Max Weber als die Entzauberung der Welt beschrieb. Ein Zusammenbruch einer bikameralen Psyche oder eine Erfindung des Bewusstseins zu postulieren ist aus meiner Sicht nicht notwendig. Alle Veränderungen die Julian Jaynes beschreibt, lassen sich viel besser durch die Erfindung von Eigentum und Geld erklären. Bis zur Erfindung des Geldes waren alle menschlichen Beziehungen personale Beziehungen. Mit der Digitalisierung stehen wir möglicherweise gegenwärtig am Beginn einer dritten tiefgreifenden Transformation, in der es vielleicht darum geht die beiden früheren Sezessionen wieder aufzuheben. Die erste war eine Entfremdung von der äußeren und inneren Natur und die zweite eine von einander. Seit der Erfindung des Geldes ähnelt das Streben nach Autonomie einem Rat race. Einerseits wurden die immer umfangreicheren Bemühungen, die Bildung breiter Massen zu erhöhen, seit 68 sogar auf den akademischen Bereich ausgedehnt, andererseits wurde das gesellschaftliche Umfeld diskontinuierlich immer komplexer. Vielleicht sollten wir uns mal ernsthaft Gedanken darüber machen, wie eine Gesellschaft aussehen müsste, in der es einfacher ist weniger zu lügen.


Fast immer wenn Akademiker oder Nichtakademiker über Wirtschaft reden, reden sie über ein Phantasma, als ob ökonomische Prozesse frei oder sogar unabhängig von sozialen Struktuen wären. Auch verschleierte innerbetriebliche Herrschaftsverhältnisse sind soziale Herrschaftsverhältnisse. Besonders deutlich wird dieses Phantasma an den Gegensatzworten Plan- und Marktwirtschaft, als ob es in Firmen in Eigentumsgesellschaften keine hoch entwickelten Planungen geben würde. Auf der anderen Seite wird unterschätzt, dass Pläne in Befehlsgesellschaft oft nur die Aufgabe der Verschleierung der eigentlich bestehenden Herrschaftsverhältnisse haben. Märkte sind ein Mechanismus für eine horizontal konkurrierende Verteilung von Waren und Ressourcen in Eigentumsgesellschaften. Man bekommt den Eindruck dieses Phantasma ergibt sich aus der Verfolgung des Mottos; über Geld und Eigentum spricht man nicht, oder dem Wunsch nach einer Sondergesellschaftszone mit eigenen Regeln und eigener Moral.

Die "Ursprüngliche Akkumulation" lässt sich, im Gegensatz zu Marx, besser beschreiben als Ökonomisierung von Dingen oder Verhältnissen welche vorher tribal oder autoritativ organisiert waren. Dieses als Raub zu bezeichnen, geht an der Sache vorbei. Umgekehr ist eine Entökonomisierung, z.B. durch eine Vergemeinschaftung, auch im eigentlichen Sinne keine Enteignung. Zum Beispiel wäre eine Vergemeinschaftung von Kulturgütern, in Form einer Liberalisierung des Urheberrechtes, keine Enteignung der Urheber. Ihr geistiges Eigentum steht argumentativ ohnehin aus wackeligen Beinen. Mit flächendeckend institutionalisierten Spendenmärkten könnten Kulturschaffende angemessen bezahlt werden. Darüber hinaus scheint die Entökonomisierung von Infrastrukturen wünschenswert. Es ergibt keinen Sinn, dass z.B. mehrere Autobahnen parallel miteinander konkurrieren.

In ihrem Buch präsentieren Otto Steiger und Gunnar Heinsohn eine Vielzahl historischer Belege, die zeigen, dass vor der Erfindung des Eigentums die kapitalistische Logik eines geldbasierten Tausches vollständig unbekannt war. Das gleiche gilt für die Kulturen die auf dem amerikanischen Kontinent nach Kolumbus entdeckt wurden. Es gab keine Schatzkammern und Schmuck wurde nicht in unserem Sinne als Wertgegenstand betrachtet. Besonders deutlich lässt sich dieser Übergang an den sich ändernden Formen der Bestattung verfolgen. Schmuck als Grabbeigabe verschwand innerhalb kürzester Zeit, gleichzeitig erblühte die Grabräuberei. Dafür wurde die äußere Form der Grabgestaltung immer repräsentativer. Der Übergang von den bronzezeitlichen Feudalgesellschaften hin zu demokratischen Frühformen kapitalistischen Wirtschaftens wird anhand des Theseus-Mythos und des Mythos von Romulus und Remus und einer Vielzahl historischer Berichte versucht zu entschlüsseln. Dabei wird deutlich dass am Beginn dieser Übergänge vielmehr eine frühe Form einer Idee bürgerlicher Gleichheit bestanden haben muss, und weniger ein Raub. Auch Jean-Jacques Rousseau hat vermutlich nur zum Teil Recht, wenn er in seiner Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen sagt:

Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: "Hütet euch, auf diesen Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde niemandem."

Man kann den Mythos von Romulus und Remus, in dem Romulus (der kleine Römer) seinen (feudalen) Bruder Remus erschlägt, weil er die von ihm gezogenen Grenzen nicht anerkennt, dem gegenüber durchaus als Bericht über die Aufteilung ehemals feudaler Ländereien unter gleichberechtigten Bürgern verstehen. Also wenn man dies als Raub bezeichnen möchte, dann war es ein Raub feudaler Besitztümer, der diese erstmalig in Eigentum wandelte. Die Kaskade aus rechtlicher Absicherung der Eigentümer, der unterschiedlich erfolgreichen konkurrierenden Nutzung des Eigentums, der Nutzung der Möglichkeit, Eigentum in Kreditverträgen zu belasten und zu verpfänden, der konkurrierende Verkauf von Waren zur Begleichung von Schulden und der Vollstreckung von verpfändetem Eigentum, erzeugt eine Spirale eines sich ständig verschärfenden Wettbewerbs. Es erzeugt Arbeitsteilung und einen permanenten Innovationsdruck. Auch die kulturelle Explosion in den griechischen Stadtstaaten und in Rom kann man wohl zumindest teilweise darauf zurückführen. Schuldenspiralen trieben und treiben viele in die Schuldsklaverei. Die Überraschung über diese Dynamik und die oft erfolglosen Gegenmaßnahmen waren vielfältig. Im Endeffekt entstanden neue Formen feudaler Macht und Herrschaft, die sich aber alle von den früheren darin unterschieden, dass sie wussten, dass es soetwas wie Eigentum und Geld gibt bzw. geben kann. In China waren bürgerliche Aufstände nicht erfolgreich, möglicherweise unter anderem aufgrund des Fehlens eines Binnenmeeres mit vielen Inseln als mögliche Verstecke und Keimzellen für subversive Gruppen, wie es ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. im östlichen Mittelmeerraum der Fall war (Seevölker). Auch begünstigen ideografische und logografische Schriften magische Grundeinstellungen, und erschweren somit selbstständiges Denken breiter Massen.

Die unsinnige Unterscheidung von Privat- und Kollektiveigentum lässt darauf schließen, das außerhalb juristischer Kreise nicht wirklich verstanden wird, dass Eigentum immer Recht und Institutionen voraussetzt, die seine Existenz gewährleisten und durchsetzen müssen. Sobald seine Belastbarkeit, Verpfändbarkeit oder Vollstreckbarkeit eingeschränkt wird, wird aus ihm lediglich nutzbarer Besitz. Eigentümer können lediglich ihren Besitz oder den Wert Ihres Eigentums verteidigen, das Eigentum selbst kann jedoch immer nur von Institutionen mit Hilfe des Rechts verteidigen werden. Es gibt keinen einzigen Gesetzestext indem jemals die Bezeichnung Privateigentum gestanden hätte.

Mit dem Sonderziehungsrecht haben wir seit 1969 eine Weltwährung. Bisher wird diese jedoch lediglich für etwa 5 % der Währungsreserven und eine kleine Zahl von Verrechnungen und Gebühren verwendet. Es kann keinen Weltfrieden geben ohne eine allgemein akzeptierte Weltwährung. Da Kriege teuer und Währungen wichtige kriegsstrategische Ressourcen sind, hat es bisher nie reguläre Kriege zwischen Parteien aus ein und dem selben Währungsraum gegeben. Lässt man Kriege und Naturkatastrophen außen vor, dann können Produktivitätsunterschiede nach den gängigen Theorien der Volkswirtschaftslehre nur durch variable Wechselkurse, Migration oder Transferzahlungen ausgeglichen werden. Deshalb möchte ich nun Umverteilungsmechanismen genauer betrachten.

Übersicht des deutschen Steuersystems sortiert nach Anteilen in % von 2006 Quelle Wikipedia

Das Ganze ergibt ein Verhältnis zwischen Verbrauch-Verkehrsteuern / Ertragssteuern / Substanzsteuern von 45/50/5

Eine nützlichere Unterscheidung wäre meiner Meinung nach die mehr philosophische zwischen Neu- und Altgeldsteuern. Grunderwerbssteuer, Kapitalertragssteuer und Zinsabschlagssteuer genauso wie eine mögliche Finanztransaktionssteuer wären zusätzlich zu den Substanzsteuern als Altgeldsteuern zu rechnen. Die übrigen Ertragssteuern wären Neugeldsteuern. Das Verhältnis Verbrauch-Verkehrsteuern / Neugeldsteuern / Altgeldsteuern wäre danach dann 44/46/10. Das weltweite kontinuierliche Sinken des Altgeldsteueranteils in den letzten Jahrzehnten ist im wesentlichen durch die Globalisierung der Finanz- und Warenmärkte und die dadurch ermöglichte hohe Mobilität der Vermögen und der Vermögenden und dem damit verbundenem Druck auf die Steuersysteme zu erklären. Für die gesamtwirtschaftliche Dynamik ist es vergleichbar unerheblich, welche Steuer man im einzelnen verändert oder abschafft. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen den drei Kategorien. Aus ökologischer bzw. gesundheitlicher Sicht erscheint eine Anhebung von Verbrauchsteuern wünschenswert, zumindest eine CO2-Steuer, eine progressive Kfz-Steuer, eine branchenspezifische Werbesteuer und eine Zuckersteuer wären sinnvoll. Sozioökonomisch wäre eine Erhöhung der Grunderwerbs- und der Grundsteuer bei gleichzeitiger Einführung von Freibeträgen ebenfalls jederzeit möglich. Eine Beschränkung der Grundsteuer auf die Grundstückswerte hätte ebenfalls einige Vorteile. Eine Besteuerung der Gebäude lässt sich gerechter und flexibler über eine Vermögenssteuer erreichen. Neugeldsteuern sind immer wachstumshemmend. Eine Stabilisierung der Wohlstandsungleichverteilung bei einem Altgeldsteueranteil von nur 10% ist komplett illusorisch. 60/20/20 könnten längerfristig erstrebenswert sein.

Bei Wiedereinführung einer Luxussteuer (3. Umsatzsteuersatz) auf Luxusartikel könnte die Differenz zum normalen Umsatzsteuersatz als Altgeldsteuer gerechnet werden. Gleichzeitig könnte man Grundnahrungsmittel von der Umsatzsteuer befreien. Am bessten wäre hier aber sowieso eine vollständige Umwandlung der Umsatzsteuer in nach Warengruppen gestaffelte Verbrauchsteuern. Durch eine Umwandlung wären Umsatzsteuerkarusselle unmöglich, und der irrsinnige Aufwand der Umsatzsteuererhebung würde reduziert werden. Die Steuersätze einzelner Warengruppen könnten zielgerichtet nach den gesellschaftlichen bzw. wirtschaftlichen Erfordernissen gewählt werden, wie bei den bereits existierenden steuerungstechnisch hochwirksamen Verbrauchsteuern seit langem üblich. Die Steuervermeidung von Unternehmen würde ebenfalls erheblich erschwert werden. Aus ökologischen Gründen wäre eine Annäherung an das Ideal von Realpreiswarenmärkten ohnehin erforderlich. Die preisdrückenden Externalisierungen von Kosten auf die Gesellschaft, die Umwelt und zukünftige Generationen oder auf Kolonien und Absatzmärkte sind auf einem begrenzten Planeten ebenfalls begrenzt. Das bedeutet nicht, eine Postwachstumsgesellschaft zu postulieren, aber bei einem Umbau wirtschaftlicher Prozesse auf Nachhaltigkeit ist eine vorübergehende Wirtschaftsschrumpfung von 50% durchaus vorstellbar, insbesondere wenn man ökologieschädliche Bullshit Jobs mit berücksichtigt.

Bei Einführung einer Finanztransaktionssteuer könnte man die Erbschafts- und Schenkungssteuer zusätzlich zur Vermögenssteuer problemlos abschaffen, da diese immerschon ein gewaltiges Legitimationsproblem hatten, und schwierig und aufwendig zu erheben sind. Um die in den letzten Jahrzehnten entstandene Wohlstandsungleichverteilung zu verringern wäre ein einmaliger Lastenausgleich ohnehin einfacher und unbürokratischer. 1952 verabschiedete der Bundestag ein Lastenausgleichsgesetzes, nachdem 50% des Vermögens zum Stichtag 21. Juni 1948 verteilt auf 30 Jahre in einen Ausgleichsfonds eingezahlt werden mussten. Dies entsprach einer theoretischen Vermögenssteuer von etwa 1,6 % pro Jahr, die sich im Laufe der Zeit durch die Inflation noch verringerte, wobei der Verwaltungsaufwand nur einen Bruchteil dem einer Vermögenssteuer entsprach, da die Vermögensermittlung nur einmalig und nicht jährlich stattfand. Darüber hinaus gab es durch den vorverlegten Stichtag auch kaum Manipulationsmöglichkeiten. Wenn Wirtschaftswissenschaftler und Journalisten sich endlich einmal ideologisch unvoreingenommen damit auseinander setzen würden, könnten sie auch aufhören in Bezug auf die 50er und 60er Jahre von einem Wirtschaftswunder zu sprechen. Erst recht wenn man noch den Marshallplan, die massenhafte Zuwanderung qualifizierter Facharbeiter aus der DDR und später noch die Ausbeutung angeworbener Arbeitsmigranten mit hinzunimmt. Heute beträgt die Verschuldung sämtlicher öffentlicher Haushalte etwas 20% des vorhandenen Vermögens. Ein Lastenausgleich könnte diese z.B. mit etwa 1% mal 20 Jahre vollständig zurückzahlen. Wer die Legitimität einer Substanzsteuer bezweifelt, sollte nicht ignorieren, dass die Anhäufung großer Vermögen selten mit sozial vorbildlichem Erwerb und Versteuerung von Einkünften einher geht. Das soll jedoch nicht bedeuten alle Besitzer größer Vermögen unter den Generalverdacht von aggressiver Steuervermeindung, Korruption und demokratiefeindlicher politischer Einflussnahme zu stellen. Als Gegengewicht zu den Sozial- und Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 wäre ein neues Lastenausgleichsgesetz durchaus begründbar gewesen, und hätte die Akzeptanz der Reformen deutlich erhöht. Dass es 2008 im Rahmen der enorm einseitigen Bankenrettungen nichts vergleichbares gab empfinde ich als skandalös.

Luxussteuern und Finanztransaktionssteuern wiederrum haben die unschöne Eigenschaft, dass sie nur innerhalb finanz- und handelstechnisch geschlossener Räume gut funktionieren. Ihre Erhebung sollte deshalb global koordiniert werden.

Bei einer Errichtung eines Finanzausgleichs zwischen steuertechnisch stark getrennten Wirtschaftsräumen müsste nicht nur die unterschiedliche Wirtschaftskraft berücksichtigt werden, sondern ebenfalls die Kapitalflüsse, z.b. fließt aus Afrika jährlich ein Vielfaches der Entwicklungshilfe z.b. in Steueroasen wieder ab.

Am Besten versteht man Marx und die Folgen, wenn man sich den letzten Abschnitt des Kapitels "Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation" aus seinem Hauptwerk "Das Kapital" durchliest:

Die Verwandlung des auf eigner Arbeit der Individuen beruhenden, zersplitterten Privateigentums in kapitalistisches ist natürlich ein Prozeß, ungleich mehr langwierig, hart und schwierig als die Verwandlung des tatsächlich bereits auf gesellschaftlichem Produktionsbetrieb beruhenden kapitalistischen Eigentums in gesellschaftliches. Dort handelte es sich um die Expropriation der Volksmasse durch wenige Usurpatoren, hier handelt es sich um die Expropriation weniger Usurpatoren durch die Volksmasse.

 
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